#1 Masern von Clexi 23.07.2008 09:50

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Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte, weltweit verbreitete, akute Infektionskrankheit, die durch ein grippeähnliches Vorstadium und ein exanthematisches Hauptstadium gekennzeichnet ist. Auf Grund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit treten Masern meist als Kinderkrankheit auf und hinterlassen eine lebenslange Immunität.

Masern werden anhand ihrer Symptome, insbesondere der charakteristischen Hautveränderungen, diagnostiziert. Die Therapie erfolgt symptomatisch. In den westlichen Industrieländern führen die Masern bei 10–20% Prozent der Erkrankten zu Komplikationen. Diese sind von besonderer Bedeutung, da sie nicht nur häufig sind, sondern auch mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergehen und die Prognose der Erkrankung bestimmen. Die Masernerkrankung kann durch eine Schutzimpfung vermieden werden.

Nach dem Infektionsschutzgesetz, das in Deutschland am 1. Januar 2001 in Kraft getreten ist, fallen Masern unter die meldepflichtigen Infektionserkrankungen.

Definition

Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte, weltweit verbreitete, akute Infektionskrankheit. Einem grippeähnlichen Vorstadium folgt ein "Exanthem" genannter Hautausschlag (griech. exantheo = ich blühe auf), der große Teile des Körpers befallen kann. Auf Grund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit treten Masern meist als Kinderkrankheit und in regionalen Häufungen auf. Einmal an Masern erkrankt, hinterlassen sie eine lebenslange Immunität. Von entscheidender Bedeutung für den Krankheitsverlauf sind die häufig auftretenden Komplikationen.

Nach dem Infektionsschutzgesetz, das in Deutschland am 1. Januar 2001 in Kraft getreten ist, sind der Krankheitsverdacht, die Erkrankung, der Tod sowie der direkte und indirekte Nachweis des Erregers namentlich zu melden.

Häufigkeit

Masern sind weltweit verbreitet und treten aufgrund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit meist bei Klein- und Schulkindern auf. Während in Deutschland in den 1990er Jahren von 50.000 Erkrankungsfällen pro Jahr ausgegangen wurde, ist die Zahl der gemeldeten Fälle auf Grund konsequent durchgeführter Impfungen der Kinder mittlerweile auf unter 1.000 zurückgegangen. In 0,1% aller Erkrankungsfälle kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen.

In Entwicklungsländern beträgt ist die Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit von Masern wesentlich größer. Weltweit erkranken mehr als 30 Millionen Menschen pro Jahr an Masern. Obwohl seit 40 Jahren ein Impfstoff gegen die Krankheit erhältlich ist, bleiben Masern eine der häufigsten Todesursachen bei kleinen Kindern.

Ursachen

Der Erreger der Masern ist das nur bei Menschen Krankheiten auslösende (humanpathogene) RNA-Masernvirus. Es gehört zur Gattung Morbillivirus und zur Familie der Paramyxoviridae. Das natürliche Reservoir des Masernvirus bilden infizierte und akut erkrankte Menschen. Das Virus ist lympho- und neurotrop, d.h. es befällt bevorzugt Zellen des Immun- und Nervensystems. Dabei entstehen unter anderem Riesenzellen, die im Frühstadium der Erkrankungen bereits im Nasensekret nachweisbar sind. Die Inkubationszeit beträgt zwischen acht und zwölf Tagen.

Übertragen wird das Masernvirus durch Tröpfcheninfektion, also z.B. durch Husten, Niesen oder Sprechen. In der Luft bleibt das Virus für zwei Stunden ansteckend. Die Eintrittspforten sind die Schleimhäute der Atemwege und die Bindehaut des Auges. Die Ansteckungskraft ist sehr groß. Die größte Ansteckungsgefahr besteht etwa fünf Tage vor bis vier Tage nach dem Auftreten des Exanthems. Der Manifestationsindex bei Masern beträgt 99%, von 100 infizierten Personen erkranken also 99.

Säuglinge von Müttern, die immun sind, die also entweder eine Masernerkrankung durchgemacht haben oder geimpft wurden, sind bis zum sechsten Lebensmonat durch über die Gebärmutter (diaplazentar) übertragene Antikörper vor einer Maserninfektion geschützt.

Symptome

Bei Masern können zwei aufeinander folgende Stadien der Erkrankung unterschieden werden: das mit grippeähnlichen Symptomen verlaufende Prodromalstadium und das durch charakteristische Hautveränderungen gekennzeichnete Exanthemstadium. Typisch ist ein zweigipfliger Verlauf der Fieberkurve, mit einem Gipfel während des Prodromalstadiums und einem Gipfel zu Beginn des Exanthemsstadiums.

Prodromalstadium

Während des Prodromalstadiums der Masernerkrankung treten allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, leichtes Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen und ein aufgedunsenes Gesicht auf. Es kommt zu einer ausgeprägten Lichtscheu sowie einem verstärktem Tränenfluss aufgrund von Bindehautinfektionen des Auges (Konjunktivitis).Häufig werden ein trockener, bellender Husten sowie Schnupfen und Halsschmerzen beobachtet.

Charakteristisch für Masern sind Veränderungen an der Mundschleimhaut. Ab dem zweiten bis dritten Tag der Erkrankung treten an der Wangenschleimhaut weißliche, kalkspritzerähnliche, fest haftende Beläge auf, die von einem geröteten Hof umgeben sind. Diese Veränderung bezeichnet man als Koplik-Flecken. Am dritten Erkrankungstag tritt ein Exanthem, also eine Rötung, der übrigen Mund- und Rachenschleimhaut auf. Zu diesem Zeitpunkt findet sich auch der erste Gipfel der Fieberkurve. Das Prodromalstadium dauert ca. drei bis vier Tage. Am Ende dieses Stadiums ist die Körpertemperatur auf normale Werte abgefallen.

Exanthemstadium

Das Exanthemstadium beginnt mit dem zweiten steilen Fieberanstieg. Die Symptome des Prodromalstadiums verstärken sich. Zusätzlich tritt jetzt ein dunkelroter, großfleckiger, unregelmäßig begrenzter Hautausschlag auf, der hinter den Ohren beginnt, sich dann über Gesicht und Hals ausbreitet und nach drei Tagen auch den Körperstamm und die Extremitäten außer Handflächen und Fußsohlen bedeckt. Der Hautausschlag ist die Folge einer virusbedingten Schädigung der Blutgefäße, die zu einer erhöhten Durchlässigkeit führt.

Wenn der Ausschlag am vierten Exanthemtag die Füße erreicht hat, beginnt das Fieber zu fallen. Sollte das Fieber nicht sinken, können Komplikationen auftreten. Bei unkompliziertem Krankheitsverlauf schließt sich an das Exanthemstadium die Rekonvaleszenz, d.h. die Erholung, an. Der Hautausschlag verblasst, wobei sich die Haut schuppt. Die übrigen Symptome bilden sich ebenfalls langsam zurück. Die Phase der Erholung dauert ca. zwei Wochen.

Gelegentlich treten Sonderformen der Masern auf. Dazu gehören sowohl die abortiven Masern als auch die foudroyanten Masern:

Abortive Masern

Die abortiven, d.h. abgeschwächten, Masern treten auf, wenn der passive Schutz, also Antikörper gegen das Masernvirus, nicht in ausreichender Form zur Verfügung steht. Dies ist der Fall bei Säuglingen ab dem siebten Monat, in seltenen Fällen bei geimpften Kindern sowie bei einer verspäteten oder unterdosierten Gabe von Antikörpern. Diese Sonderform der Masern ist durch eine verlängerte Inkubationszeit sowie abgeschwächte Symptome gekennzeichnet. Die Gesamtdauer der Erkrankung ist verkürzt. Manchmal wird diese Form auch als mitigierte Masern bezeichnet.

Foudroyante Masern

Die foudroyanten, d.h. plötzlich einsetzenden, Masern sind das genaue Gegenteil der abortiven Form. Sie treten selten und vor allem bei einer geschwächten Abwehr auf. Die Inkubationszeit ist verkürzt und die Symptome besonders schwer. Dazu gehören die Hyperpyrexie, d.h. ein länger anhaltender Fieberanstieg über 40°C, Krämpfe, Blutungen von Haut und Schleimhäuten sowie ein plötzlich verblassender Hautausschlag infolge Kreislaufschock und schließlich kann diese Masernform tödlich enden.

Diagnose

Die Diagnose der Masern wird klinisch anhand des typischen Krankheitsverlaufs mit der zweigipfligen Fieberkurve und des charakteristischen Ausschlags gestellt. Bereits im Frühstadium der Erkrankungen können außerdem im Nasensekret Riesenzellen nachgewiesen werden.

Kann die Maserndiagnose nicht eindeutig gestellt werden, so ist es notwendig, spezifische IgM-Antikörper im Blut nachzuweisen, die ca. ab dem zweiten Exanthemtag über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen vorhanden sind.

Therapie

Wie bei den meisten Virus-Erkrankungen steht für Masern ein spezifisches Medikament, wie z.B. Antibiotika bei bakteriellen Erkrankungen, bisher nicht zur Verfügung. Die Therapie muss daher symptomatisch erfolgen. Im Vordergrund stehen dabei pflegerische Maßnahmen und Bettruhe, bei vorhandener Lichtscheu aufgrund einer Augenbindehautentzündung in abgedunkelten Räumen.

Mögliche Komplikationen der Masern müssen gezielt behandelt werden. Bei nichtimmunen Menschen, d.h. bei Personen, die nicht gegen Masern geimpft wurden, kann der Ausbruch der Erkrankung bis zum vierten Tag nach der Ansteckung durch die Gabe von Antikörpern (Gammaglublin) verhindert werden.

Verlauf

Komplikationen

Mögliche Komplikationen bei Masern treten verhältnismäßig häufig auf, vor allem bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen über 20 Jahren. Unterschieden werden muss dabei zwischen Komplikationen aufgrund des Virus selbst und solchen durch zusätzliche bakterielle Infektionen. Eine weitere Gefahr für Komplikationen ergibt sich aus der vorübergehenden Schwächung der Immunabwehr.

Komplikationen durch das Masernvirus

Von Komplikationen, die direkt durch das Masernvirus verursacht werden, können Atemwege, Organe der Bauchhöhle sowie das Gehirn betroffen sein. An den Atemwegen kann es zur Ausbildung einer Bronchitis sowie einer Lungenentzündung kommen, die in Entwicklungsländern für bis zu 25% der Todesfälle verantwortlich ist. In der Bauchhöhle wird häufig eine Schwellung der Lymphknoten beobachtet, die starke Bauchschmerzen hervorruft. Von besonderer Bedeutung ist die masernbedingte Blinddarmentzündung (Appendizitis), die meist eine Operation erforderlich macht.

Eine besonders gefürchtete Komplikation ist eine durch Masern ausgelöste Gehirnentzündung, die Masernenzephalitis, die sich ca. drei bis zehn Tage nach Auftreten des Exanthems ausbildet. Sie tritt bei ca. 0,1% aller Erkrankungen auf und verursacht Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, epileptische Anfälle sowie Lähmungen. In wenigen Fällen muss mit bleibenden Schäden gerechnet werden. Diese reichen von andauernden Lähmungen bis zur geistigen Behinderung. Die Sterblichkeit (Letalität) der Masernenzephalitis ist mit ca. 25% hoch. Eine sehr seltene (ein bis fünf pro eine Million Erkrankungen) Komplikation von Masern ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis, eine Jahre später auftretende degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) durch das Masernvirus. Sie endet immer tödlich.

Komplikationen durch bakterielle Superinfektion

Eine bakterielle Superinfektion entsteht, wenn es neben der Infektion mit dem Masernvirus zu Infektionen mit verschiedenen Bakterien kommt. In den meisten Fällen sind das Zahnfleisch mit einer Stomatitis ulcerosa, das Auge mit einer Keratitis, die zur Erblindung führen kann, sowie das Mittelohr mit einer Mittelohrentzündung betroffen. Je nach Art der Bakterien können diese Komplikationen gezielt mit Antibiotika behandelt werden. Ein Hinweis auf eine bakterielle Superinfektion besteht, wenn während des Exanthemstadiums das Fieber nicht absinkt bzw. das Fieber mit einem dritten Gipfel erneut ansteigt.

Komplikationen durch Schwächung der Immunabwehr

Infolge der Maserninfektion kommt es zu einer vorübergehenden Schwächung der Immunabwehr. Diese Komplikation ist in den Entwicklungsländern von besonderer Bedeutung. Bei Personen, die durch eine Mangelernährung von vornherein in ihrer Immunabwehr beeinträchtigt sind und die bereits an anderen Erkrankungen, wie z.B. Infektionen mit Parasiten oder Tuberkulose, leiden, kann es zu einer Verschlechterung dieser Erkrankungen kommen, was häufig zum Tod führt.

Vorbeugen

Masern können durch eine Schutzimpfung verhindert bzw. in ihrem Verlauf abgeschwächt werden, sodass keine Komplikationen auftreten. Die ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts geht erst bei zweimaliger Impfung vom Bestehen eines vollständigen Impfschutzes aus:

Die Erstimpfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten, d.h. nach dem Verschwinden der mütterlichen Antikörper, erfolgen. Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe bewirken bei über 90% der einmal Geimpften einen ausreichenden Impfschutz. Die durch die Impfung bewirkte Immunantwort ist nach ca. vier bis sechs Wochen nachweisbar. Die empfohlene Zweitimpfung kann bereits vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen und soll den Kindern, die bei der Erstimpfung keine Immunität entwickelt haben, letztlich zu einem Impfschutz verhelfen.

Nichtgeimpfte Kinder sollten den Kontakt mit an Masern erkrankten Personen vermeiden, um einer Ansteckung vorzubeugen. Bei ungeimpften, aber immungesunden, Kontaktpersonen kann nach Kontakt mit dem Erreger (postexpositionell) der Ausbruch der Masern durch eine rechtzeitige Impfung wirksam unterdrückt werden. Bei abwehrgeschwächten und chronisch kranken Menschen ist eine nachträgliche Prophylaxe in Form einer passiven Immunisierung durch die Gabe von spezifischen Antikörpern innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Kontakt möglich.

Schweregrad der Erkrankung und die Sterblichkeit bei Risikopatienten (z.B. in Entwicklungsländern) lassen sich durch die Gabe von Vitamin A mindern.

Tipps für Eltern

Ist Ihr Kind an Masern erkrankt, sollten Sie folgende Tipps beachten:

* Isolieren Sie Ihr Kind, damit sich andere nicht anstecken.
* Sorgen Sie für Bettruhe, soweit das Kind bereit dazu ist.
* Bei Fieber sollte Ihr Kind genug trinken. Bei Bedarf können Sie auch Wadenwickel machen oder nach Absprache mit dem Arzt Fieberzäpfchen geben.
* Während der Erkrankung reagieren manche Kinder sehr empfindlich auf Licht. Sie fühlen sich in leicht abgedunkelten Räumen am wohlsten. Direkter Lichteinfall sollte auf jeden Fall vermieden werden.
* Bei starkem Hustenreiz können Sie – ebenfalls nach Absprache mit dem Arzt – hustenstillende Medikamente geben. Feuchte Raumluft kann in der Nacht hilfreich sein. Sie können beispielsweise feuchte Handtücher im Zimmer aufhängen.
* Bei folgenden Symptomen sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen: anhaltendes hohes Fieber, Ohrenschmerzen, Kurzatmigkeit oder Atemnot, starke Kopfschmerzen, steifer Hals, Nackenschmerzen, brennende lichtempfindliche Augen.
* Schicken Sie Ihr Kind erst ein bis zwei Wochen nach der Krankheit wieder in den Kindergarten oder in die Schule, damit sich seine Abwehrkräfte erholen können. Direkte Ansteckungsgefahr besteht bis zum Abklingen der Symptome.



Quelle: Onmeda

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