#1 Burnout - Syndrom von Brini 13.02.2009 19:30

Burnout-Syndrom

Der Begriff Burnout-Syndrom ist erstmals Mitte der 1970er Jahre aufgekommen. Man versteht darunter ein Gefühl inneren Ausgebranntseins, das sich mit emotionaler Erschöpfung und Leugnen der eigenen Bedürfnisse paart.

Besonders häufig sind Menschen vom Burnout-Syndrom betroffen, die sehr in ihrem Beruf aufgehen und sich dabei für andere Menschen aufopfern. Meist geschieht dies in Berufen wie Lehrer, Arzt oder Krankenpfleger. Prinzipiell kann jedoch jeder am Burnout-Syndrom erkranken, unabhängig von seinem Beruf, zum Beispiel auch durch familiäre Belastungen.

Ein Burnout-Syndrom entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum. Dabei schlagen anfängliche Motivation und Überengagement langsam in Resignation und sozialen Rückzug um. Schließlich kommt es unter anderem zu Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Magen-Darm-Problemen, Herzklopfen oder Anzeichen einer Depression.

Die Ursachen des Burnout-Syndroms sind vielfältig und können stark variieren. Meist spielen Überbelastungen beziehungsweise über lange Zeit andauernder Stress in Beruf oder Familie gepaart mit mangelnder Anerkennung und ungünstiger Stressbewältigung eine Rolle. Auf Phasen der Ruhe oder Entspannung wird nicht geachtet und Warnsignale des Körpers lange ignoriert.

Für eine Therapie des Burnout-Syndroms ist es wichtig, dass der Betroffene erkennt, dass er Hilfe benötigt und dies auch akzeptiert. Langfristig ist eine Veränderung des Lebenswandels nötig, bei dem auf eine gesunde Lebensweise Wert gelegt wird. Eigene Bedürfnisse müssen erkannt und beachtet werden. Beruflicher Alltag und Entspannung sollten sich in Balance befinden.

Definition

Unter dem Begriff Burnout-Syndrom versteht man einen Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung sowie verringerter Leistungsfähigkeit. Übersetzt bedeutet der aus dem Englischen stammende Begriff Burnout so viel wie "Ausbrennen". Personen mit Burnout fühlen sich extrem erschöpft und häufig innerlich leer.

Das Burnout-Syndrom tritt vor allem bei Menschen mit sozialen Berufen oder mit anderen Berufen, bei denen man sich sehr um andere Menschen kümmert, auf. Zu den gefährdeten Berufen zählen zum Beispiel Sozialarbeiter, Arzt, Lehrer, Kranken- und Altenpfleger. Aber auch Personen anderer Berufsgruppen können vom Burnout-Syndrom betroffen sein. Nicht selten erkranken jedoch zudem Personen mit großer familiärer Belastung am Burnout-Syndrom.

Das Burnout-Syndrom ist nicht mit dem Chronischen Müdigkeitssyndrom gleichzusetzen. Bei diesem kommt es zu einem Gefühl ständiger Erschöpfung und Müdigkeit, dieses entsteht jedoch nicht durch berufliche oder psychische Überbelastung.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge sind etwa zehn Prozent aller Arbeitnehmer, die in entsprechenden Risikoberufsgruppen arbeiten, vom Burnout-Syndrom betroffen. 20 bis 30 Prozent aller Personen mit solchen Berufen sind gefährdet, am Burnout-Syndrom zu erkranken.

Ursachen

Die genauen Ursachen für das Burnout-Syndrom sind bisher nicht hinreichend geklärt. Mögliche Ursachen finden sich jedoch in den Belastungen beziehungsweise Überlastungen des jeweiligen Berufsumfelds (schlechtes Betriebsklima, übermäßiger Stress, schwelende Konflikte, unklare Hierarchien, Mobbing, Angst vor Arbeitsplatzverlust, ...). Vermutlich ist ein Zusammenspiel aus psychischen Faktoren und Belastungen im Job ein Faktor, der ein Entstehen begünstigt.

Das Burnout-Syndrom scheint eine Folge von überhöhten Erwartungen und großem Idealismus an den Job und der tagtäglichen Wirklichkeit zu sein. Gerade Betroffene, die mit sehr großem Engagement für andere Menschen da sind, aber kaum Anerkennung für ihre Leistungen durch Vorgesetzte bekommen, haben ein erhöhtes Risiko, sich innerlich zu Verausgaben. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem:

* ausgeprägter Perfektionsdrang
* starker Ehrgeiz
* starkes Verantwortungsbewusstsein
* Versuch, alles allein managen zu wollen

Das Burnout-Syndrom ist demnach das Ergebnis eines längeren Prozesses, bei dem eine anfänglich überhöhte Begeisterung schließlich in Desillusionierung und Frustration bis hin zur Apathie endet.

Symptome

Das Burnout-Syndrom ist kein einheitliches Krankheitsbild. Vielmehr kann eine Vielzahl verschiedenster Symptome aus dem körperlichen oder psychischen Bereich auftreten, die sich nicht plötzlich, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg offenbaren. Für die körperlichen Beschwerden gibt es beim Burnout-Syndrom jedoch keine organischen Ursachen, sie entstehen psychosomatisch.

Als körperliche Beschwerden können unter anderem auftreten:

* Muskelverspannungen
* Kopfschmerzen
* Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Bauch- oder Magenkrämpfe)
* Schwindel
* Gleichgewichtsstörungen
* Schlafstörungen
* erhöhte Infektanfälligkeit
* Schwierigkeiten im Sexualleben
* Herzklopfen

Zu den psychischen Beschwerden zählen zum Beispiel:

* sinkendes Selbstvertrauen
* stärkere Verletzlichkeit in Bezug auf Enttäuschungen oder Verluste
* erhöhte Stressanfälligkeit
* sinkende Arbeitszufriedenheit
* Anzeichen einer Depression wie z.B. gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Interessenverlust

Diagnose

Beim Burnout-Syndrom nehmen Betroffene zuerst die jeweiligen körperlichen oder psychischen Beschwerden wahr und werden sich damit an Ärzte wenden. Für eine Diagnose werden daher bei körperlichen Beschwerden zuerst mögliche körperliche Ursachen ausgeschlossen.

Kommen keinerlei körperliche Ursachen in Betracht, kann eine Überweisung zum Psychologen sinnvoll sein. Dieser kann sich mit der genauen Lebenssituation des Betroffenen auseinandersetzen und berufliche sowie familiäre oder partnerschaftliche Aspekte beleuchten und Überlastungssituationen identifizieren.

Als mögliche Ausschlussdiagnose kommt eine klassische Depression in Betracht, obwohl diese nicht immer klar vom Burnout-Syndrom zu trennen ist.

Weitere Ausschlussdiagnosen sind zum Beispiel:

* Neurasthenie
* Fibromyalgie
* Chronisches Müdigkeitssyndrom (Chronic Fatigue Syndrom, CFS)
* Angststörungen
* Schlafstörungen
* Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Therapie

Bisher gibt es für das Burnout-Syndrom kein einheitliches Therapiekonzept. Beim Burnout-Syndrom richtet sich die Therapie daher vor allem danach, welche Beschwerden genau vorliegen und wie stark die verschiedenen Beschwerden ausgeprägt sind. Jede Therapie muss auf die individuellen Problematiken des Betroffenen ausgerichtet sein. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto günstiger wirkt sich dies auf den Krankheitsverlauf aus.

Grundlegend für eine Therapie ist jedoch, dass der Betroffene erkennt und akzeptiert, dass die durch das Burnout-Syndrom auftretenden Probleme behandlungsbedürftig sind.

Danach sollten Betroffene als erstes versuchen, sich selbst zu entlasten und Stressauslöser zu minimieren.

Zur kurzfristigen Entspannung können ganz verschiedene Methoden eingesetzt werden:

* Atmen Sie tief durch und strecken Sie sich. Wiederholen Sie dies etwa ein bis zwei Minuten.
* Lenken Sie Ihre Gedanken vom Stressauslöser weg und richten Sie sie auf etwas Positives bzw. Neutrales. Hören Sie z.B. Musik oder denken Sie an Ihr nächstes Urlaubsziel.
* Reden Sie sich selbst positiv zu: "Ich kann das.", "Das schaffe ich schon.", etc.
* Reagieren Sie Ihren Stress körperlich ab, indem Sie z.B. im Treppenhaus die Treppe rauf- und runterrennen oder machen Sie etwa 30 Liegestützen.

Langfristig sollte versucht werden, bessere Strategien zur Stressbewältigung im Alltag zu entwickeln. Hilfreich sind hier zum Beispiel Methoden wie:

* Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
* Autogenes Training
* Funktionelle Bewegungstherapie mit isometrischen Stretching-Übungen der Halswirbelsäule sowie der Brust- und Lendenwirbelsäule
* Yoga
* Meditation

Außerdem sollten Betroffene versuchen, Dinge zu praktizieren, die sie Zufriedenheit erfahren lassen, wie zum Beispiel durch Hobbies, Spaziergänge in der Natur oder Sport. Zuvor vernachlässigte soziale Kontakte zu Freunden und Familie sollten wieder angeknüpft werden. Hier ist es auch wichtig, Hilfe von Freunden oder Verwandten anzunehmen. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und bestätigt, dass man nicht nur auf sich selbst gestellt ist.

Der eigene Perfektionsdrang sollte beleuchtet und falls notwendig runtergefahren werden. Das gleiche gilt für unrealistische oder idealisierte Vorstellungen über den Arbeitsplatz.

Ist der Betroffene in der Lage, Hilfe durch Ärzte und Therapeuten bei der Therapie des Burnout-Syndroms zu akzeptieren, können verschiedene Dinge angestrebt werden. Dazu gehören zum einen, seine eigenen sozialen Kompetenzen zu verbessern und sich vor allem besser abgrenzen zu können. Der Betroffene soll eigene Belange besser gegen andere vertreten können. Unangenehme Arbeiten und zusätzliche Aufgaben sollen dagegen abgelehnt werden können. Wichtig ist auch, zu lernen, wie mit Konflikten umgegangen werden kann.

Zum anderen ist es für Betroffene wichtig, sich selbst besser einschätzen beziehungsweise Zeitfresser erkennen zu können. Zu viele oder übermäßig lange Besprechungen können zum Beispiel im Gespräch mit dem Vorgesetzten unter Umständen schnell verkürzt oder in ihrer Zahl verringert werden. Zeitmanagement-Seminare können helfen, die eigene Zeitplanung zu verbessern.

Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie können zudem negative Handlungsmuster oder Einstellungen erkannt und gezielt verändert werden. Unter Umständen kann auch eine tiefenpsychologische Therapie angebracht sein. Sind die Beschwerden des Burnout-Syndroms sehr stark ausgeprägt, kann es sinnvoll sein, die psychotherapeutische Behandlung stationär durchzuführen.

Bei ausgeprägtem Burnout-Syndrom können Antidepressiva oder Medikamente gegen Schlafstörungen für einen kurzen Zeitraum angebracht sein.

Verlauf

Das Burnout-Syndrom zeichnet sich unbehandelt zu Beginn durch eine starke psychische Erschöpfung sowie ein deutliches Überengagement in Beruf (oder auch Familie) aus.

Die anfängliche Begeisterung für die Arbeit stagniert und nimmt im weiteren Verlauf schließlich ab. Betroffene beginnen sich innerlich von ihrem Job zu distanzieren, man spricht hier von einer inneren Kündigung. Die zuvor vorhandene Motivation wandelt sich langsam in das Gefühl versagt zu haben. Einige Betroffene legen plötzlich ein unerwartet aggressives Verhalten an den Tag und reagieren immer gereizter auf etwa Kunden, Arbeitskollegen, Schüler oder Patienten. Möglicherweise äußern sie pauschale und destruktive Vorwürfe an alle in ihrer Umgebung. Negative Ansichten nehmen deutlich zu und Fehlzeiten im Job häufen sich.

Das emotionale, gesellschaftliche und geistige Leben wird zunehmend weniger beziehungsweise flacher. Das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse schwindet immer mehr. Auf Alltag und Erlebnisse reagieren Personen mit Burnout-Syndrom fast ausschließlich zynisch, ironisch oder sarkastisch. Betroffene nehmen immer weniger aktiv am gesellschaftlichen Leben teil und ziehen sich zunehmend zurück. Schließlich treten auch vermehrt körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen Muskelverspannungen auf.

Betroffene versuchen in dieser Phase häufig, ihre Beschwerden mit Medikamenten zu bekämpfen und nehmen nicht selten Beruhigungsmittel und Aufputschmittel, aber auch Schlaf- und Schmerzmittel zu sich. Ebenso steigt bei vielen unter anderem der Konsum von Rauschmitteln wie Alkohol. Die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung ist hier gegeben.

Schlimmstenfalls steigert sich das Burnout-Syndrom im weiteren Verlauf bis zu einem starken Gefühl der Verzweiflung. Betroffene fühlen sich hoffnungslos, sehen keinen Sinn mehr im Leben und entwickeln möglicherweise Selbstmordgedanken.

Erkennt und akzeptiert der Burnout-Betroffene jedoch, dass er Hilfe braucht, und nimmt diese an, sind die Aussichten auf eine Besserung langfristig gut.

Vorbeugen

Um der Entstehung eines Burnout-Syndroms vorzubeugen, sollten Sie bei ersten Anzeichen von starken Stressbelastungen bereits entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.

Generell können alle Maßnahmen, mit denen Stress verringert werden kann, der Vorbeugung des Burnout-Syndroms dienen. Grundvoraussetzung ist, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Belastungen in Beruf/Familie und Entspannung beziehungsweise Freizeit zu finden.

Übermäßige Belastungen, ob in Beruf oder Familie, sollten nicht zum Dauerzustand werden, sondern möglichst nur kurzfristig auftreten oder verringert werden. Im Berufsalltag helfen hier regelmäßige Arbeitstreffen, in denen man sich mit Kollegen über berufliche Dinge austauschen und diese dadurch besser in ihrer Relevanz einordnen kann. Bestehen berufliche Probleme, können Sie gemeinsam Lösungsstrategien erarbeiten. Regelmäßige Treffen bewirken auch, dass man sich nicht isoliert fühlt und das Gefühl hat, alles allein schaffen zu müssen. Bei solchen Arbeitstreffen ist es wichtig, dass positives Feedback erteilt beziehungsweise die Leistung des Einzelnen auch gewürdigt wird.

Trainieren Sie Ihre Eigen- und Fremdwahrnehmung und finden Sie heraus, welche Umstände zu Ihrem Burnout-Syndrom beitragen und ob Sie diese verändern können. Versuchen Sie im Job Aufgaben auch an andere zu delegieren und nicht alles allein in der Hand zu haben. Bemühen Sie sich, übermäßiges Perfektionsstreben abzulegen. Finden Sie heraus, was Ihre Bedürfnisse oder Ziele im Leben und wo Ihre Grenzen sind. Suchen Sie Ausgleich in Ihrer Freizeit und gehen Sie dort Interessen nach, die Sie entspannen und Ihnen Spaß machen. Soziale Kontakte sollten Sie pflegen, allerdings ohne mit übergroßem Engagement darin aufzugehen. Lernen Sie, sowohl im Beruf als auch im Freundes- oder Familienkreis Nein zu sagen, anstatt sich für andere aufzuopfern.

Achten Sie verstärkt auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen, viel frischem Obst und Gemüse. Wählen Sie bevorzugt leicht verdauliche Speisen und verzichten Sie auf schweres Essen. Alkohol oder Tabak, aber auch Kaffee sollten Sie möglichst nur in Maßen genießen, er sollte nicht als tägliches Werkzeug zur vermeintlichen Entspannung dienen. Bewegen Sie sich täglich wenigstens 30 Minuten und powern Sie sich dabei ruhig aus. Fahren Sie Rad, gehen Sie spazieren oder Joggen Sie. Das baut Stress ab.

Entspannungsverfahren können dabei helfen, dem Alltagsstress besser begegnen zu können. Dazu gehören etwa Autogenes Training, Atemübungen oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Aber auch Yoga, Meditation, Qi-Gong oder Tai-Chi wirken Stress positiv entgegen. Achten Sie darauf, im Alltag auch regelmäßig Ruhepausen einzulegen.

Unter Umständen kann langfristig ein Arbeitsplatzwechsel helfen.



Quelle: Onmeda

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